Wir bei Passenger sind ja echt keine Fremden, wenn es um Van-Umbauten und das Leben unterwegs geht. Aber als wir von Eva und ihrem PandaVan hörten - einem DIY-Mini-Camper aus einem Fiat Panda – waren wir sofort begeistert.

Letztes Jahr haben wir schon mit Eva über ihren PandaVan gequatscht: wie alles entstanden ist und ein kleiner Vorgeschmack auf ihre Abenteuer auf vier Rädern. Wir konnten einfach nicht genug von den PandaVan-Tagebüchern kriegen. Jetzt ist Teil zwei da! Diesmal erzählt Eva von ihrer Reise entlang der Westküste Portugals, auf der Jagd nach Surf, Sonnenuntergängen und epischen Küstenstraßen. Wenn du schon immer mal an die Westküste Portugals wolltest, könnte das genau die richtige Inspiration sein…

Geschrieben von Eva Baumgartl

Warum die Westküste Portugals?

Nach Wochen voller kreativer Planung und dem Fertigmachen für meine erste Reise mit dem Fiat PandaVan ist es endlich so weit: ab Richtung Süden nach Portugal! Ich baue den Panda am Mittwoch fertig, packe am Donnerstag und fahre am kalten, frostigen Freitagmorgen los. Ich bin mega aufgeregt und kann kaum glauben, dass ich in ein paar Tagen wieder in Südportugal surfen werde.

Ich habe schon ein paar Van-Trips gemacht – durch Südspanien, Marokko, Frankreich und Italien – aber nie so weit alleine und nie in so einem winzigen Auto mit nur 45 PS für 3000 km.

Portugal stand schon lange auf meiner Surf-Checkliste. Die Atlantikküste hat unzählige Strände und Surfspots, viele verbunden durch schöne Küstenstraßen. Viele Spots sind sehr swell-abhängig, daher ist Flexibilität super wichtig – besonders, wenn man kleine Wellen sucht wie ich.

Die Westküste kriegt den vollen Atlantik-Swell ab und liefert oft richtig heftige Wellen, während die Algarve im Süden etwas ruhiger sein kann, falls es an der Westküste zu groß oder windig ist. Deshalb geht’s für mich zuerst hierhin.

Ich reise im frühen Frühjahr (Mitte März bis Anfang Mai) – perfekte Zeit: die Landschaft ist grün, Blumen blühen, und die Sommermassen sind noch nicht da. Das Wetter kann aber noch etwas unberechenbar sein.

Unterwegs nach Süden – Sturm, Regen & Sonne

Mein erster Stopp ist in der Schweiz, die mich mit Sturm und starkem Regen begrüßt. Glücklicherweise übernachte ich bei einer Freundin nahe St. Gallen. Da der Sturm nachts noch stärker werden soll, decke ich den PandaVan mit einer Plane ab. Am nächsten Tag nehme ich spontan an einem Boulder-Wettkampf teil, den meine Freundin organisiert – ich hab vorher nur ein paar Mal gebouldert, aber es macht mega Spaß. Und ich gewinne sogar etwas bei der Tombola…

Weiter geht’s durch Italien und Frankreich, das Wetter wechselt ständig, und ich gerate auch in heftige Regenschauer. Ich mache zwei Tage Pause bei Valencia und später noch bei Almería, in einem coolen, künstlerischen Community-Space. Dort genieße ich Sonne, Wärme und ein wunderbares Osterfrühstück, bevor es weitergeht. Ein paar Tage später erreiche ich Sagres, ganz im Südwesten Portugals. Nach über einer Woche auf der Straße bin ich bereit für die ersten Surfsessions!

Reisetipps

Surf-Buddies unterwegs finden: Ich habe andere Surfer über lokale Facebook-Gruppen getroffen – alt, aber immer noch super hilfreich, besonders in der Nebensaison.

Schlafplätze unterwegs: Die App Park4night hilft super, praktische Spots für die Nacht zu finden. In Frankreich nutze ich oft das Camper Connect Network – sichere und bezahlbare Schlafplätze entlang der Hauptstrecken.

Kreative Stopps in Spanien: Nördlich von Almería kann ich Rec.on empfehlen – großer Community-Space, gutes Essen, viel Platz zum Campen und super Gastgeber.

Mautstraßen in Portugal: Wenn du die benutzen willst, solltest du dein Fahrzeug vorher registrieren: https://www.pttolls.com/en

Surfen in Sagres & Algarve erkunden

In Sagres finde ich schnell einen Rhythmus: Surfen, Strände erkunden, kochen und den PandaVan zwischen den Spots bewegen.

Meine Lieblingsmomente: morgens am Meer aufwachen, Bettzeug wegpacken, kurz dehnen, Frühstück und Kaffee im Van zubereiten und aufs blaue Wasser schauen. Rundherum die ersten Leute, Hunde spazieren, es ist noch ruhig – perfekte Morgenstimmung.

Mareta beach

Taking a dirt road detour around Carrapateira

Nach dem vielen Regen auf dem Weg nach Süden zeigt sich der Frühling von seiner besten Seite: grüne Landschaft, blühende Blumen, Küstenstraßen durch wunderschöne Natur. Das Wetter bleibt größtenteils sonnig, Wind gibt’s oft – typisch Atlantik – Regen eher selten. In den ersten Wochen treffe ich andere Surfer:innen und Traveller, wir erkunden gemeinsam verschiedene Spots.

Mit dem kleinen Van hat man echt Vorteile: fast überall parken, durch enge Dorfstraßen schlängeln, kleine Küstenstraßen easy erkunden. Auch ohne 4x4 kommt der Panda erstaunlich gut über Schotterstraßen. Mein Wetsuit trocknet meist schnell auf dem Dachträger – einmal fliegt er aber vom Wind und reißt meine Antenne ab. Ein kleines Souvenir vom Trip 😉

Surf-Tipps rund um Sagres

Meine Lieblings-Surfspots:

Praia do Tonel - wunderschöne Kulisse, ein bisschen tricky wegen der Steine im Wasser. Aber perfekt für Sonnenuntergänge!

Praia do Burgau - charmantes kleines Städtchen, mega Longboard-Sessions hier

Praia do Zavial - schöne Fahrt durch die Hügel. Kann schon mal voll werden, wenn andere Spots nicht laufen.

Es lohnt sich auch, die Küste rund um Carrapateira zu erkunden, den Sonnenuntergang von den Klippen über Praia da Cordoama zu genießen oder zum abgelegenen Strand bei Figueiras zu laufen – nur zu Fuß erreichbar.

Surfboards zum Leihen oder Second-Hand Boards findest du im Island Style Surfshop in Vila do Bispo.

Empfehlungen für Essen & Kaffee

Sagres und die umliegenden Dörfer haben richtig viele tolle Cafés und Restaurants. Hier ein paar, die ich besucht habe und super fand:

Three Little Birds Sagres - mega Cheesecake

Picnic Sagres - tolle Bäckerei, super Brot und Gebäck

O Sabor da Alegria Figueiras - richtig gute Pizza und mega Vibe

Andorinha do Mar - kleines, verstecktes Bio-Café

The boardwalk in Carrapateira

Delicious coffee place Picnic, Sagres

Nach zwei Wochen in der Gegend hab ich schon viele tolle Spots gesehen, aber mit meinem Surfen komme ich nicht so richtig weiter, und oft surfe ich alleine. Als ich von einem Frauen-Longboard-Retreat etwas weiter nördlich im Alentejo höre, melde ich mich spontan an. Ich hatte Longboarding schon mal ausprobiert und fand’s mega. Ein paar Tage später schnapp ich mir ein gemietetes Longboard (drei Boards insgesamt) und mache mich auf den Weg nach Norden mit dem PandaVan.

Longboarding & Frühling im Alentejo

Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreiche ich den Alentejo. Es ist April und der Frühling steht voll in Blüte. Das Retreat findet auf einem wunderschönen Anwesen mit alten Windmühlen und riesigem Garten statt. Jeden Tag surfen wir zusammen, üben Longboarden und abends gibt’s leckere, selbstgekochte Mahlzeiten. Mit der gleichen Gruppe zu surfen macht echt einen Unterschied – zum ersten Mal auf der Reise merke ich Fortschritte und paddle auch mal für etwas steilere Wellen.

Neben dem Surfen ist die Gegend perfekt zum Wandern. Bei meinem ersten Spaziergang durch die Landschaft bin ich umgeben von wilden Blumen und alten Korkbäumen und überquere einen Fernwanderweg. Trails wie der Fisherman’s Trail oder Historical Way (beide Teil der Rota Vicentina) führen durch atemberaubende Küstenlandschaften.

Surf, chat, sleep, repeat

Backcountry of Alentejo 

Surfen & Spots nördlich von Sagres / Alentejo

Praia da Arrifana - wunderschöne Kulisse, lange steile Zufahrt, lebhafte Surf-Vibes

Praia de São Torpes - nicht der fotogenste Strand, aber oft super für Longboarding

Vila Nova de Milfontes - charmante Stadt, perfekt für einen Stop nach dem Surfen. Unbedingt Croissant mit Eis bei Mabi Gelatarias probieren!

Porto Covo - tolle Küstenstraßen und fantastische Meerblicke

Ein Wochenende in Peniche & Ferrel

Nach der tollen Longboard-Woche und noch einer Woche in Sagres fahre ich wieder nach Norden, diesmal weiter bis zur Halbinsel Peniche. Die Surf-Szene hier ist lebendig, es gibt viele coole Cafés und Bars mit Live-Musik am Abend. Ich treffe Freunde vom letzten Jahr und genieße ein paar letzte Sessions.

Beim Surfen passiert’s: Mein Board flippt, eine Fin schneidet tief in meine Hand. Zum Glück ist mein Nachbar am Parkplatz Arzt und versorgt die Wunde professionell.

Da meine Hand jetzt bandagiert ist, nehme ich das als Zeichen, dass es nach sechs Wochen unterwegs vielleicht an der Zeit ist, nach Hause zu fahren.

Ziwschenstopps unterwegs

Cabo da Roca : atemberaubende Klippen mit Blick aufs Meer

Ericeira : lebhafte Surf-Stadt mit tollen Cafés und entspannter Atmosphäre

Peniche & Ferrel Tipps

Beim Leuchtturm in Peniche – super Platz zum Parken und Sonnenuntergang anschauen

Baleal – lohnt sich, zur Spitze der Halbinsel zu laufen für Ausblicke auf beide Strände

Ferrel – lebendiger Surf-Hub, tolle Cafés & Restaurants

Padaria do Mar – exzellentes Sauerteigbrot

SOL – super Kaffee

Funkey Donkey – leckere Pizza

Auf dem Heimweg : ein letztes Surf-Abenteuer

Auf dem Rückweg mache ich Stopps in Zarautz (Spanien) und später Capbreton (Frankreich) – zwei Orte, an denen ich oft auf Roadtrips pause. Leider regnet es diesmal zwei Tage am Stück. Ich verbringe gemütliche Stunden im Panda, lausche dem Regen aufs Dach und lasse meiner Hand Zeit zu heilen. Am dritten Tag klart das Wetter endlich auf, die Wunde sieht gut aus und ich schaffe noch eine letzte Surf-Session in der Sonne!

Dann geht’s zurück nach Deutschland mit meinem kleinen PandaVan – und ich freue mich schon riesig auf den nächsten Trip, wahrscheinlich zu tollen Surfstränden in der Bretagne.

Über Eva

Ich liebe Reisen – genauso sehr wie nach Hause zu kommen. Diese Gegensätze begleiten mich seit 20 Jahren. London, Barcelona, Kalifornien – ich habe dort gelebt, studiert und gearbeitet, aber München ist immer mein Zuhause geblieben. Vor 10 Jahren bin ich 70 km südlich von München nach Rosenheim gezogen, aus Liebe zu den Bergen. Meine Faszination fürs Meer und das Leben unterwegs ist geblieben und hat viele Van-Trips inspiriert. Ich kombiniere Reisen oft mit meiner Arbeit als Freelancerin – sogar im PandaVan. So kann ich sowohl die Freude am Reisen genießen als auch das Gefühl, zu Hause zu sein.

eva-baumgartl.de
| @eva.anna_creative

A Fiat Panda with surf boards on the roof rack parked on a cliff overlooking the ocean in Portugal